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Lastenheft und Pflichtenheft: Unterschied und wie deine Agentur das Pflichtenheft schreibt

Geprüft am 12. Oktober 2026

Kurz gesagt

Das Lastenheft schreibt der Kunde: Was soll die Software können und warum. Das Pflichtenheft schreibt die Agentur: Wie wird es umgesetzt, und woran wird die Abnahme gemessen. Wer das Pflichtenheft schreibt, legt fest, was später als fertig gilt.

Das Lastenheft schreibt der Kunde. Es beschreibt, was die Software leisten soll und warum.

Das Pflichtenheft schreibt deine Agentur. Es beschreibt, wie die Anforderungen umgesetzt werden, was geliefert wird und woran die Abnahme gemessen wird. So trennt auch die DIN 69901-5 die beiden Dokumente.

Für dich als Agentur ist das Pflichtenheft das wichtigere. Es legt fest:

Was ist der Unterschied zwischen Lastenheft und Pflichtenheft?

LastenheftPflichtenheft
Wer schreibtKunde (Auftraggeber)Agentur (Auftragnehmer)
FrageWas und wofür?Wie und womit?
InhaltZiele, fachliche Anforderungen, RahmenbedingungenLösung, Architektur, Funktionen im Detail, Abnahmekriterien
ZeitpunktVor der Ausschreibung oder AnfrageNach Auftrag oder in einer Konzeptphase
Verbindlich fürGrundlage des AngebotsGrundlage von Umsetzung und Abnahme

Wer schreibt das Pflichtenheft, und wer zahlt dafür?

Du schreibst es. Der Kunde gibt es frei. Das ist der Moment, in dem du den Scope bestimmst.

Ein brauchbares Pflichtenheft für ein mittleres Projekt kostet Tage, oft Wochen.

Besser: eine eigene Konzeptphase nach Aufwand. Deren Ergebnis ist das Pflichtenheft, und der Kunde darf es auch mit einem anderen Dienstleister umsetzen. Die meisten tun es nicht, weil du nach der Konzeptphase das Projekt am besten kennst.

Wie schreibst du ein Pflichtenheft aus einem Lastenheft?

  1. Lastenheft zerlegen. Jede Anforderung bekommt eine Nummer. Unklare Anforderungen markierst du und klärst sie im Workshop. Per Mail dauert das Wochen.
  2. Ziele festhalten. Zwei, drei Sätze, wofür die Software da ist. Später hilft das, wenn bei einer Anforderung gestritten wird, ob sie nötig ist.
  3. Funktionen beschreiben. Für jede Anforderung: was die Software tut, für welche Nutzerrolle, mit welchen Eingaben und Ergebnissen. User Stories gehen, wenn sie Akzeptanzkriterien haben.
  4. Nicht funktionale Anforderungen. Antwortzeiten, Verfügbarkeit, Browser und Geräte, Barrierefreiheit, Sicherheit, Datenschutz. Wenn der Kunde dazu nichts sagt, schreib auf, was du annimmst.
  5. Schnittstellen und Abhängigkeiten. Welche Systeme des Kunden angebunden werden und wer für deren Verfügbarkeit sorgt. Die meisten Verzögerungen entstehen hier.
  6. Mitwirkungspflichten des Kunden. Testdaten, Zugänge, Ansprechpartner, Reaktionszeiten für Freigaben. Ohne diese Liste trägst du die Verzögerung.
  7. Abgrenzung. Was ausdrücklich nicht zum Umfang gehört. Diese Liste ist kurz, und sie spart dir die meisten Diskussionen.
  8. Lieferumfang und Rechte. Was du am Ende übergibst: Code, Dokumentation, Deployment. Welche deiner vorbestehenden Bausteine drinstecken und unter welchen Rechten der Kunde sie nutzt. Wie man das formuliert, steht in Nutzungsrechte an Software.
  9. Abnahmekriterien. Messbar, mit Testfällen. „Benutzerfreundlich“ ist kein Kriterium. „Bestellung in maximal drei Schritten, getestet mit den Testfällen T1 bis T12“ ist eins.
  10. Änderungsverfahren. Wie ein Change Request eingereicht, geschätzt und freigegeben wird.

Warum das Pflichtenheft über die Abnahme entscheidet

Beim Werkvertrag wird deine Vergütung mit der Abnahme fällig (§ 641 Abs. 1 BGB). Der Kunde muss das Werk abnehmen, wenn es vertragsgemäß ist, und darf die Abnahme wegen unwesentlicher Mängel nicht verweigern (§ 640 Abs. 1 BGB). Was vertragsgemäß ist, steht im Pflichtenheft.

PflichtenheftFolge bei der Abnahme
VageAlles ist ein wesentlicher Mangel
PräziseDu kannst die Abnahme mit Fristsetzung herbeiführen (§ 640 Abs. 2 BGB)

Mehr dazu in Werkvertrag oder Dienstvertrag.

Und im agilen Projekt?

Auch Scrum-Projekte brauchen ein Dokument, das Ziel, Rahmen und Budget festhält. Es ist kürzer und beschreibt keine fertige Lösung. Es enthält:

Wie man daraus einen Festpreis baut, steht in Agiler Festpreis.

Was das mit deinem eigenen Code zu tun hat

Ein Pflichtenheft, das den Lieferumfang genau beschreibt, schützt nebenbei deine Bausteine.

Wie viel so etwas wert sein kann, steht in Was ist Code wert?.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Lastenheft und Pflichtenheft?

Das Lastenheft beschreibt aus Sicht des Auftraggebers, was die Software leisten soll. Das Pflichtenheft beschreibt aus Sicht des Auftragnehmers, wie diese Anforderungen umgesetzt werden. So unterscheidet auch die DIN 69901-5 die beiden Dokumente.

Wer schreibt das Pflichtenheft?

Der Auftragnehmer, also die Agentur, auf Grundlage des Lastenhefts. Der Kunde prüft und gibt es frei. Gibt es kein Lastenheft, erarbeitet die Agentur beide Teile gemeinsam mit dem Kunden, idealerweise in einer bezahlten Konzeptphase.

Muss ich das Pflichtenheft kostenlos schreiben?

Nein. Ein gutes Pflichtenheft ist Arbeit von Tagen oder Wochen. Viele Agenturen verkaufen es als eigene Konzeptphase nach Aufwand, deren Ergebnis der Kunde auch mit einem anderen Dienstleister umsetzen könnte.

Wie hängen Pflichtenheft und Abnahme zusammen?

Beim Werkvertrag prüft der Kunde bei der Abnahme, ob das Werk vertragsgemäß ist. Das Pflichtenheft definiert, was vertragsgemäß heißt. Je messbarer die Abnahmekriterien darin, desto weniger Streit gibt es.

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