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Kunden gewinnen als Agentur: Was funktioniert, wenn die Empfehlungen ausbleiben

Geprüft am 12. Oktober 2026

Kurz gesagt

Die meisten Agenturen leben von Empfehlungen und Bestandskunden, bis beides nachlässt. Planbar wird Neukundengewinnung mit einer klaren Spezialisierung, einer Liste von Zielkunden und Kanälen, die zum Einkauf mittelständischer Kunden passen. Kaltakquise per E-Mail ist in Deutschland ohne Einwilligung unzulässig (§ 7 UWG), ein Anruf bei Unternehmen nur mit zumindest mutmaßlicher Einwilligung.

Die meisten Agenturen gewinnen Kunden über Empfehlungen und Bestandskunden. Das funktioniert, bis die Empfehlungen ausbleiben, weil die Kunden selbst sparen. Planbar wird Neukundengewinnung mit drei Dingen: einer klaren Spezialisierung, einer Liste von Zielkunden und Kanälen, die zur Art passen, wie deine Kunden einkaufen.

Kaltakquise ist in Deutschland eng geregelt. E-Mails ohne Einwilligung sind unzulässig, auch an Unternehmen (§ 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG). Das verschiebt die Arbeit zu Kanälen, bei denen der Kunde dich findet oder dich schon kennt.

Wo findest du die schnellsten neuen Aufträge?

Bei Kunden, die dich schon kennen. Bevor du neue Kanäle aufbaust, geh die Liste durch:

Der letzte Punkt ist oft der stärkste. Neue Pflichten erzeugen Budgets, und deine Kunden suchen jemanden, der ihre Systeme schon kennt. Was auf sie zukommt, steht in Recht und Regulierung.

Was ist bei Kaltakquise erlaubt?

Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb unterscheidet nach Kanal und Empfänger:

KanalAn VerbraucherAn UnternehmenNorm
E-Mail, Fax, automatische AnrufeNur mit vorheriger ausdrücklicher EinwilligungNur mit vorheriger ausdrücklicher Einwilligung§ 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG
TelefonanrufNur mit vorheriger ausdrücklicher EinwilligungMit zumindest mutmaßlicher Einwilligung§ 7 Abs. 2 Nr. 1 UWG
E-Mail an Bestandskunden für ähnliche eigene LeistungenErlaubt unter BedingungenErlaubt unter Bedingungen§ 7 Abs. 3 UWG
BriefErlaubt, solange kein erkennbarer WiderspruchErlaubt, solange kein erkennbarer Widerspruch§ 7 Abs. 1 UWG

Die Bestandskunden-Ausnahme verlangt vier Dinge: Du hast die Adresse beim Verkauf einer Leistung bekommen, du bewirbst eigene ähnliche Leistungen, der Kunde hat nicht widersprochen, und du weist schon beim Erheben der Adresse und dann bei jeder Mail auf das Widerspruchsrecht hin (§ 7 Abs. 3 UWG).

Wie findest du Kunden, ohne kalt anzuschreiben?

Wenn du nicht kalt schreiben darfst, musst du gefunden werden. Was für Agenturen mit Mittelstandskunden funktioniert:

  1. Spezialisierung sichtbar machen. Eine Seite pro Branche oder Problem, mit Projektbeispielen und Zahlen. Wer „Shopware-Agentur für Ersatzteilhändler“ sucht, findet dich.
  2. Fachbeiträge. Antworten auf die Fragen, die deine Kunden ihrem IT-Leiter stellen. Gut für Suche und für KI-Antworten.
  3. Veranstaltungen der Branche. Messen und Verbandsveranstaltungen deiner Zielbranche. Auf Agenturtreffen triffst du Kollegen, selten Kunden.
  4. LinkedIn mit Inhalt. Beiträge des Inhabers zu konkreten Projekten und Problemen. Kontaktanfragen ohne Werbebotschaft.
  5. Öffentliche Ausschreibungen. Für Agenturen ab einer gewissen Größe ein planbarer Kanal, mit Aufwand für Formalien.
  6. Kooperationen mit Systemhäusern und Beratern, die Kunden haben, aber keine Entwicklung anbieten.

Warum hilft Spezialisierung bei der Akquise?

Generalisten konkurrieren über den Preis. Spezialisten werden empfohlen, weil man sich an sie erinnert. Eine Agentur, die zum fünften Mal ein Händlerportal für Großhändler baut, hat drei Vorteile:

GeneralistSpezialist
Empfehlung„Die machen Software“„Die haben das Portal für unseren Wettbewerber gebaut“
AngebotSchätzt alles neuHat fertige Bausteine, kalkuliert sicherer
PreisgesprächKunde vergleicht StundensätzeKunde vergleicht Ergebnisse

Die fertigen Bausteine sind der Kern. Mit ihnen bist du schneller, und du kannst sie lizenzieren statt neu zu bauen. Wie sich das auf Preis und Marge auswirkt, steht in Was kostet eine App?.

Wie wird aus eigenem Code ein Türöffner?

Ein fertiges Modul ist ein besserer Einstieg als ein Angebot über ein Projekt. Der Kunde sieht, was er bekommt, und das Risiko ist kleiner. So gehst du vor:

  1. Such in deinen Repos nach Bausteinen, die du in mehreren Projekten gebaut hast.
  2. Prüfe, ob die Rechte bei dir liegen: Wem gehört der Code?.
  3. Mach daraus ein Angebot: Lizenz plus Anpassung plus Wartung.
  4. Sprich Unternehmen an, die das Problem nachweislich haben, etwa über Fachbeiträge und Veranstaltungen.

Aus einer Lizenz wird oft ein Projekt, und aus dem Projekt ein Wartungsvertrag. Wie du Lizenzen aufsetzt, steht in Softwarelizenz. Was deine Bausteine wert sind, steht in Was ist Code wert?.

Häufige Fragen

Darf ich potenzielle Kunden per E-Mail kalt anschreiben?

In Deutschland ist Werbung per E-Mail ohne vorherige ausdrückliche Einwilligung des Empfängers eine unzumutbare Belästigung (§ 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG). Das gilt auch gegenüber Unternehmen. Eine Ausnahme gibt es nur für Bestandskunden unter den Voraussetzungen des § 7 Abs. 3 UWG.

Darf ich Unternehmen kalt anrufen?

Gegenüber Unternehmen reicht eine zumindest mutmaßliche Einwilligung (§ 7 Abs. 2 Nr. 1 UWG). Dafür muss ein konkretes sachliches Interesse des Angerufenen an deinem Angebot zu vermuten sein. Dokumentiere, woraus du es ableitest.

Lohnt sich Spezialisierung für eine kleine Agentur?

Ja. Eine Agentur mit klarer Branche oder klarer Technologie wird empfohlen, weil man sich an sie erinnert. Dazu hat sie fertige Bausteine, die sie schneller und günstiger machen.

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