Was eine App kostet, ergibt sich aus drei Zahlen: geschätzte Stunden, Stundensatz und Puffer für Risiko und Abstimmung. Eine einfache App mit wenigen Screens und Standard-Backend ist eine andere Größenordnung als eine Plattform mit Nutzerkonten, Zahlungen und Schnittstellen zu drei Altsystemen. Seriös beantworten kannst du die Frage erst, wenn der Scope beschrieben ist.
Für die Agentur ist die wichtigere Frage die andere: Welcher Stundensatz deckt deine Kosten, und wie erklärst du dem Kunden den Preis?
Wie schätzt man den Aufwand für eine App?
Schätze nie das ganze Projekt am Stück. Zerleg es in Teile, die ein Entwickler in ein paar Tagen bauen kann, und schätze jedes Teil einzeln. Typische Blöcke:
- Konzept, UX und Design,
- Frontend pro Plattform (iOS, Android, Web oder plattformübergreifend),
- Backend, Datenmodell, Schnittstellen,
- Anmeldung, Rollen, Rechte,
- Tests, Qualitätssicherung, Abnahme,
- Deployment, Store-Einreichung, Betrieb,
- Projektleitung und Abstimmung mit dem Kunden.
Projektleitung und Abstimmung werden am häufigsten vergessen. Rechne sie als eigenen Block mit eigenen Stunden.
Wie berechne ich meinen Stundensatz als Agentur?
Rechne den Stundensatz von hinten. Die Frage lautet: Was kostet mich eine abrechenbare Stunde?
- Volle Kosten pro Entwickler im Jahr. Bruttogehalt, Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung, Arbeitsplatz, Hardware, Lizenzen, Weiterbildung, anteilige Verwaltung und Vertrieb.
- Abrechenbare Stunden pro Jahr. Arbeitstage minus Urlaub, Krankheit, Feiertage, interne Termine, Vertrieb und Leerlauf zwischen Projekten.
- Selbstkostensatz = volle Kosten geteilt durch abrechenbare Stunden.
- Stundensatz = Selbstkostensatz plus Marge.
Die abrechenbaren Stunden sind der Hebel. Jeder Tag ohne Projekt kostet dich den vollen Satz. Wenn weniger Projekte reinkommen, sinkt diese Zahl zuerst.
Festpreis oder nach Aufwand: wie rechnest du den Preis?
| Festpreis | Nach Aufwand | |
|---|---|---|
| Wer trägt das Risiko | Du | Der Kunde |
| Preis | Stunden × Satz + Risikopuffer | Stunden × Satz, abgerechnet nach Ist |
| Vertragstyp | Meist Werkvertrag mit Abnahme | Meist Dienstvertrag |
| Voraussetzung | Klarer Scope, Pflichtenheft | Vertrauen, regelmäßige Abstimmung |
| Wann die Marge leidet | Bei Scope Creep ohne Change Requests | Bei Leerlauf und unbezahlter Abstimmung |
Beim Festpreis gehört ein Risikopuffer in die Kalkulation. Wie hoch er sein muss, hängt davon ab, wie gut der Scope beschrieben ist.
Je dünner das Lastenheft, desto größer der Puffer. Was im Pflichtenheft stehen muss, steht in Lastenheft und Pflichtenheft.
Welcher Vertragstyp dahinter steht und was das für Zahlung und Haftung bedeutet, steht in Werkvertrag oder Dienstvertrag. Eine Mischform beschreibt Agiler Festpreis.
Warum sind Angebote für dieselbe App so unterschiedlich?
Kunden vergleichen Angebote und sehen Unterschiede um den Faktor drei. Die Gründe liegen fast nie im Stundensatz allein:
- Anderer Scope. Jede Agentur füllt Lücken im Lastenheft mit eigenen Annahmen.
- Anderer Puffer. Wer das Risiko höher einschätzt, rechnet mehr Reserve ein.
- Andere Bausteine. Eine Agentur, die schon ein fertiges Login, ein Admin-Panel und eine Schnittstelle zum gleichen ERP hat, braucht dafür kaum Stunden.
- Anderes Team. Nearshoring senkt den Satz, erhöht aber den Abstimmungsaufwand.
Schreib deine Annahmen ins Angebot. Dann vergleicht der Kunde Leistung mit Leistung.
Wie senkt eigener Code den Preis und erhöht die Marge?
Wer Bausteine schon fertig hat, kann günstiger anbieten und trotzdem mehr verdienen. Ein Beispiel:
| Ohne eigene Bausteine | Mit eigenem Login- und Admin-Modul | |
|---|---|---|
| Stunden für Login und Admin | 220 | 40 (Anpassung) |
| Preis bei 95 Euro, nur dieser Teil | 20.900 Euro | 3.800 Euro + Lizenz 6.000 Euro = 9.800 Euro |
| Kunde spart | 11.100 Euro | |
| Deine Stunden | 220 | 40 |
Der Kunde zahlt weniger. Mit 40 Stunden plus Lizenz nimmst du fast die Hälfte dessen ein, was 220 Stunden gebracht hätten, und das Team ist frei für das nächste Projekt.
Das funktioniert nur, wenn der Kunde für den Baustein eine Lizenz bekommt. Die Rechte daran behältst du.
Wie das geht, steht in Softwarelizenz. Was deine fertigen Bausteine wert sind, steht in Was ist Code wert?.
Wie erklärst du dem Kunden den Preis?
Kunden akzeptieren Preise, die sie nachrechnen können. Liefere deshalb mit:
- die Liste der Blöcke mit Stunden,
- den Stundensatz oder Tagessatz,
- die Annahmen zum Scope,
- was nicht enthalten ist,
- wie Änderungen abgerechnet werden.
Wenn der Kunde den Preis drücken will, verhandle über Scope und Bausteine. Senkst du den Stundensatz, senkst du deine Marge in jedem künftigen Projekt mit diesem Kunden.