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Abnahme Software: Wie deine Agentur die Abnahme nach § 640 BGB plant und durchsetzt

Geprüft am 12. Oktober 2026

Kurz gesagt

Mit der Abnahme erklärt der Kunde, dass die Software im Wesentlichen vertragsgemäß ist. Ab dann ist die Vergütung fällig (§ 641 BGB), die Gefahr geht auf den Kunden über (§ 644 BGB), und die Verjährung der Mängelansprüche beginnt. Verzögert der Kunde, hilft die fiktive Abnahme nach § 640 Abs. 2 BGB.

Die Abnahme ist der Moment, in dem der Kunde die Software als im Wesentlichen vertragsgemäß anerkennt. Im deutschen Werkvertragsrecht hängt daran fast alles: Die Vergütung wird fällig (§ 641 Abs. 1 BGB), die Gefahr geht auf den Kunden über (§ 644 Abs. 1 BGB), und die Verjährung der Mängelansprüche beginnt (§ 634a Abs. 2 BGB).

Der Kunde ist zur Abnahme verpflichtet, wenn das Werk vertragsgemäß hergestellt ist (§ 640 Abs. 1 BGB). Für deine Agentur ist die Abnahme deshalb ein Meilenstein, den du planst wie ein Release: mit Datum, Testfällen und Protokoll.

Was bewirkt die Abnahme?

FolgeVor der AbnahmeNach der Abnahme
VergütungNicht fällig, nur Abschläge (§ 632a BGB)Fällig (§ 641 Abs. 1 BGB) und zu verzinsen (§ 641 Abs. 4 BGB)
GefahrBei dir (§ 644 Abs. 1 BGB)Beim Kunden
Beweislast für vertragsgemäße LeistungBei dir (§ 632a Abs. 1 Satz 3 BGB)Für Mängel beim Kunden
Verjährung der MängelansprücheLäuft nichtBeginnt (§ 634a Abs. 2 BGB)
Bekannte MängelRechte bleibenNur mit Vorbehalt bei der Abnahme (§ 640 Abs. 3 BGB)

Ohne Abnahme bleibt die Schlussrechnung offen, egal wie lange die Software schon läuft. Deshalb lohnt es sich, den Weg zur Abnahme schon im Vertrag festzulegen.

Wann darf der Kunde die Abnahme verweigern?

Nur wegen wesentlicher Mängel. Unwesentliche Mängel berechtigen nicht zur Verweigerung (§ 640 Abs. 1 Satz 2 BGB). Ob ein Mangel wesentlich ist, hängt am Vertrag. Deshalb helfen klare Fehlerklassen im Pflichtenheft:

Mit so einer Liste wird aus „das gefällt uns noch nicht“ eine prüfbare Frage. Was das Pflichtenheft sonst enthalten muss, steht in Lastenheft und Pflichtenheft.

Was tun, wenn der Kunde die Abnahme verzögert?

Kunden zögern die Abnahme hinaus, wenn das Budget knapp wird oder intern noch Wünsche auftauchen. Dagegen hilft die fiktive Abnahme nach § 640 Abs. 2 BGB:

  1. Die Software ist fertiggestellt.
  2. Du forderst den Kunden schriftlich zur Abnahme auf und setzt eine angemessene Frist.
  3. Verweigert der Kunde die Abnahme in dieser Frist nicht unter Angabe mindestens eines Mangels, gilt sie als erklärt.

Nennt der Kunde einen Mangel, ist die Fiktion vom Tisch. Dann geht es darum, ob der Mangel wesentlich ist. Bei Verbrauchern greift die Fiktion nur, wenn du den Kunden zusammen mit der Aufforderung in Textform auf diese Folge hingewiesen hast.

Was gehört in ein Abnahmeprotokoll?

Das Protokoll ist dein Beweis. Es sollte enthalten:

Bekannte Mängel muss der Kunde sich bei der Abnahme vorbehalten, sonst verliert er die Rechte auf Nacherfüllung, Selbstvornahme, Rücktritt und Minderung (§ 640 Abs. 3 BGB). Schadensersatz bleibt ihm.

Wie lange haftest du nach der Abnahme?

Die Verjährung der Mängelansprüche beginnt mit der Abnahme. Welche Frist gilt, regelt § 634a Abs. 1 BGB:

FallFristBeginn
Herstellung, Wartung oder Veränderung einer Sache (Nr. 1)zwei JahreAbnahme (§ 634a Abs. 2 BGB)
Übrige Werke (Nr. 3)Regelmäßige Frist, drei Jahre (§ 195 BGB)Ende des Jahres der Kenntnis (§ 199 Abs. 1 BGB)
Arglistig verschwiegener MangelRegelmäßige Frist (§ 634a Abs. 3 BGB)Ende des Jahres der Kenntnis

Ob Individualsoftware unter Nr. 1 oder Nr. 3 fällt, hängt davon ab, ob man sie als Sache behandelt. Regle die Frist deshalb ausdrücklich im Vertrag.

Wie hilft die Abnahme deiner Liquidität?

Wer das ganze Projekt bis zur Endabnahme vorfinanziert, trägt monatelang Gehälter ohne Einnahmen. Zwei Werkzeuge helfen:

  1. Teilabnahmen. Ist das Werk in Teilen abzunehmen und die Vergütung für jeden Teil bestimmt, wird sie mit der Abnahme des jeweiligen Teils fällig (§ 641 Abs. 1 Satz 2 BGB).
  2. Abschläge. Auch ohne Vereinbarung kannst du Abschläge in Höhe des Werts der erbrachten Leistung verlangen (§ 632a Abs. 1 BGB). Du musst die Leistung nachvollziehbar aufstellen.

Wie du die Zahlungseingänge daraus planst, steht in Liquiditätsplanung für Agenturen. Welcher Vertragstyp überhaupt eine Abnahme kennt, steht in Werkvertrag oder Dienstvertrag.

Was hat die Abnahme mit den Rechten am Code zu tun?

Viele Verträge koppeln die Einräumung der Nutzungsrechte an die Abnahme oder an die vollständige Zahlung. Das ist dein Druckmittel: Bis zur Zahlung hat der Kunde dann nur ein vorläufiges Recht, die Software zu testen.

Wie du das formulierst, steht in Nutzungsrechte an Software. Was diese Bausteine wert sind, steht in Was ist Code wert?.

Häufige Fragen

Darf der Kunde die Abnahme wegen kleiner Fehler verweigern?

Nein. Wegen unwesentlicher Mängel kann die Abnahme nicht verweigert werden (§ 640 Abs. 1 Satz 2 BGB). Der Kunde nimmt ab und behält seine Mängelrechte für die kleinen Fehler.

Was ist die fiktive Abnahme?

Setzt die Agentur nach Fertigstellung eine angemessene Frist zur Abnahme und verweigert der Kunde die Abnahme in dieser Frist nicht unter Angabe mindestens eines Mangels, gilt das Werk als abgenommen (§ 640 Abs. 2 BGB). Bei Verbrauchern braucht es zusätzlich einen Hinweis auf diese Folge in Textform.

Was passiert, wenn der Kunde die Software produktiv nutzt, aber nicht abnimmt?

Verlass dich nicht darauf, dass die Nutzung schon als Abnahme zählt. Setz eine Frist nach § 640 Abs. 2 BGB, dann ist die Lage eindeutig.

Gibt es die Abnahme auch beim Dienstvertrag?

Nein. Die Abnahme ist eine Pflicht aus dem Werkvertrag (§ 640 BGB). Beim Dienstvertrag nach § 611 BGB schuldest du Tätigkeit und wirst nach Vereinbarung bezahlt, meist monatlich.

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